Angler,
da gibt es sonne und sonne und auch andere.
Wir Kanalisten angeln fast alle. Und wir essen unsere Fische auch.
Ähnlich wie die Naturvölker leben wir gern aus der Natur
und mit der Natur.
Der Angler ist von Natur ein Naturfreund. Stundenlang kann er beobachten
– nicht nur seine Pose (für Nichtangler: Pose = Schwimmer
über dem Haken), sondern auch die Mücke auf seiner Hand,
wie sie immer dicker wird von seinem Blut, die Maus, die vom Geruch
der Köder angelockt, über seine Füße huscht,
das Treiben der Wasservögel vor ihm und den Flug der Fledermäuse
über ihm, - und wie die Sonne sich verabschiedet und der Mond
erscheint, um mit seinem schiefen Lächeln die leeren Bierflaschen
um ihn herum zu zählen. – Der Angler: ein Gemütsmensch!
So unter Beweis gestellt an unserem Kanal. Da saß einer dieser
Angler. Er hatte seine Ruten ausgelegt. Ein Kanalansässiger kam
mit einem jungen Hund vorbei. Der Hund wurde vorsichtshalber an die
Leine genommen, damit er nicht das Angelgeschirr durcheinander bringt.
Wie sich’s gehört wurde „Petri Heil!“ und „Petri
Dank!“ gegrüßt. Als etwa hundert Meter zwischen ihm
und dem Angler lagen, machte der Hundbesitzer sein Vieh wieder los.
Und das, nicht faul, drehte auf dem Absatz um, rannte zum Angler zurück,
wirbelte die Angelruten durcheinander, schmiss Köder und Angelkoffer
um und kehrte freudestrahlend zu seinem Herrn zurück. Der, starr
vor Schreck und Scham und Ärger über den Köter, geht
mit zitternden Knien zu dem Angler von einem Donnerwetter bis zu einer
Anzeigenandrohung alles erwartend. Er entschuldigt sich vielmals.
– Und der Angler? Der sagt nur dies: „Sonne Hunde muss
es auch geben.“ Sagt’s, sammelt alles wieder auf, sortiert
seine Angeln und angelt in aller Seelenruhe weiter.
Der Mann wird wahrlich Petri Heil erfahren, wenn er dereinst an die
Himmelspforte klopft!
Ganz anders
ein anderer Angler. An den Kiesseen neben den Kanalufern führen
sie sich oft auf wie die mittelalterlichen Feudalherren.
Eine Frau geht im heißen Sommer mit ihrem Hund zwischen zweien
dieser Seen spazieren. Der eine ist ein Angelsee, der andere nicht.
An beiden steht ein Schild „Baden verboten“. Der Hund
holt sich etwas Kühlung im Nicht-Angelsee. Ein Angler am Angelsee
beobachtet das. Er stellt die Frau barsch zur Rede: „Können
Sie nicht lesen? Hier ist Baden verboten!“ Die Frau: „Sehen
Sie einen Badeanzug an mir? Habe ich etwa gebadet?“ „Nein,
aber Ihr blöder Köter!“ „So“, sagt die
Frau, „Sie haben wohl Schwierigkeiten mit der Natur, speziell
mit Tieren. Jetzt weiß ich, warum Sie angeln. Sie wollen den
Fischen das Baden verbieten!“
Der barsche Herr schnappte nur noch nach Luft – wie ein Barsch
auf dem Trockenen.