Als Hundesitterin
ging ich mit Bobby und Pauline im Winter 1990 am Kanal spazieren,
weil Herrchen Jürgen Gutsche, Voßort 16, zur Arbeit war.
Bobby ein weißer Mischling, lebhaft, schlank mit Jagdinstinkt,
Pauline eine braune Michlingshündin mit gedrungenem Körper,
ruhiger und behäbiger als Bobby. Bobby war nicht so gehorsam
wie Pauline und büxte beim Spaziergang gern mal aus.
An der
Brücke Basedow/Lanze unten am Kanal ließ ich, wie schon
oft, die Hunde von der Leine. Der Kanal war zugefroren, und
plötzlich
gab Bobby Gas und flitzte aufs Eis, weil dort Enten hockten. Er verschwand
plötzlich in einem Eisloch, aber sein Kopf tauchte dann wieder
auf. Er versuchte, sich am Eisrand festzuhalten, aber dies gelang
ihm nicht, rutschte immer wieder ab. Ich fing an zu schreien, oben
am Brückengeländer tauchten auch Leute auf, aber keiner
kam, um zu helfen. Ich schaute mich nach einer Rettungsmöglichkeit
um und entdeckte ca. in Haushöhe – Kanalstr. 7 –
ein kleines Boot an der Uferböschung liegen.
Es war
trotz Eis und Schnee zu schwer für mich, dieses Boot zum Ufer
zu bekommen. Auf mein Schreien um Hilfe kam plötzlich
Frau Henn
– Kanalstr. 5 – von ihrem Grundstück, und ohne zu
zögern, half sie mir, das Boot auf die Eisfläche zu schieben.
Pauline,
die Hündin, sah das Boot und ließ nicht locker, bis ich
sie mit ins Boot nahm, um ihrem Kumpel beizustehen. Mit meinen Händen
bugsierte ich das Boot auf dem Eis bis zum Eisloch, schob das Boot
seitlich und konnte Bobby am Nacken fassen, und mit Bobby`s Hilfe,
weil er sich dadurch mit einem Bein am Eisrand festhalten konnte,
zog ich ihn ganz langsam wieder auf die Eisfläche.
Pauline
jaulte vor Freude, und ich konnte Bobby dann ins kleine Boot hieven,
und machte mich auf den Rückweg zum Ufer.
Hier stand
Frau Henn mit 2 Wolldecken, und Bobby, ein zitterndes Bündel
Tier, ließ sich abrubbeln. Ich brachte die Tiere zurück
in Herrchens Haus, schrieb einen kurzen Bericht über den Vorfall,
falls Bobby doch noch gesundheitliche Auswirkungen zeigte, und schlich
überanstrengt nach Hause. Ich verabreichte mir selbst eine große
Ruhepause um mich wieder zu erholen. Bobby kam seitdem immer an die
Leine, wenn ich wieder mal sitten ging. Bobby hatte jedoch alles gut
überstanden. Ich war froh. Herrchen bedankte sich bei Frau Henn
mit einer großen Schachtel Pralinen.
Frau Henn
sagte später, „ ich weiß doch, wie es ist, einen
Hund zu verlieren“. Sie hatte kurz zuvor ihren Hund durch Krankheit
verloren.
Später,
als der Hund „Bonny“ im zugefrorenen Kanal einbrach und
von der Feuerwehr gerettet werden konnte, kam meine Erinnerung an
den Vorfall 1990 zurück. Nach wie vor habe ich nicht verstanden,
daß wenigstens einer der oben am Geländer stehenden Zuschauer
mir zur Hilfe kam, dies schockte mich am meisten.
Elisabeth
Dähn