Das raubt
jedem Gartenbesitzer die Fassung: aufgewühlte Beete, zerstörter
Rasen. Als ich nach der Wintersaison – ich nutztte mein Wochenendgrundstück
fast nur im Sommer – an den Elbe-Lübeck-Kanal zurückkehrte,
fand ich 73 (!) Maulwurfshügel auf meinem Rasen. Können
Sie sich vorstellen, welche Wut da in mir hochstieg? Der reinste Horror!
Dabei hatte ich das Grundstück im Herbst extra ordentlich hergerichtet
– schließlich wollte ich mich im Frühjahr nicht gleich
wieder in die Gartenarbeit stürzen müssen.
Meine Wut
war noch nicht abgeklungen, voller Bestürzung betrachtete ich
den Schaden: Da entstand vor meinen Augen schon wieder ein Hügel!
Was für eine Frechheit! Nie gekannte Rachegefühle entwickelten
sich in mir: Diesem Lausbub muss der Garaus gemacht werden –
sofort und auf der Stelle.
Unversehens
hatte ich einen Spaten in der Hand und stach zu, wo eben noch der
Maulwurf wühlte. Sechs-, siebenmal. Dann war Ruhe. Aber nur kurz;
dann bewegte sich wieder die Erde. Erneut stach ich zu, mit aller
Wucht, an mehreren Stellen. Hatte ich ihn nun erwischt?
Ich wartete
ab, setzte mich auf einen Hocker, den Spaten einsatzbereit in der
Hand. Wohl eine Viertelstunde habe ich regungslos dagesessen. Nichts
rührte sich. Ich musste den Maulwurf wohl erwischt haben. Glücklich
stand ich auf. Aber dann: mitten unter meinem Hocker war ein neuer
Hügel entstanden! So ein Schelm, hat er mich doch überlistet!
Ich musste lachen, die Wut löste sich.
Tage später
habe ich den Maulwurf dann doch noch gefangen. Er sah ganz friedlich
aus. Auf einem weit entfernten Feld habe ich ihn ausgesetzt –
nicht ohne sein Versprechen, nicht zu mir zurückzukehren. Das
hat er eingehalten.
Harald
Oelker