Familien-Saga,
die in Roseburg spielt
"Ich
will unterhalten, dem Leser aber gleichzeitig eine bestimmte Zeit
nahebringen", sagt Tania Schlie, "deshalb steht vor dem
Schreiben immer eine lange Phase der Lektüre und Recherche."
Ihr Roman, Elsas Erbe, erschien im Ullstein Verlag. Für dieses
Buch grub sich die Autorin tief in die Geschichte der eigenen Familie
ein. Es geht um einen sogenannten Kiesbaron und seine Familie: Georg
Heller, der dem Urgroßvater der Autorin nachempfunden ist, beutet
den Kies aus, der beim Bau des Elbe-Lübeck-Kanals um 1900 vor
den Toren Hamburgs gefunden wird. Innerhalb weniger Jahre wird er
zum reichsten Mann der Gegend.
Seine Tochter
Elsa wächst auf wie eine Prinzessin, sogar das Porzellan ihrer
Puppenstube ist aus Meißen. Aber emotionale Sicherheit kann
ihr der charismatische, bisweilen größenwahnsinnige Vater
nicht geben. Seine Zuwendung schwankt zwischen den Versprechungen
auf eine goldene Zukunft als seine Nachfolgerin und gelegentlichen
bühnenreifen Wutausbrüchen. Als der Vater Elsa und ihre
Mutter von heute auf morgen mittellos zurückläßt,
um mit seiner Geliebten und seinem unehelichen Sohn ein neues Leben
zu beginnen, muß Elsa sich auf ihre Stärken besinnen, um
ihr Leben in Griff zu bekommen.
Für
Tania Schlie, die mit dem aus Mölln stammenden CDU-Landtagsabgeordneten
Klaus Schlie verwandt ist, hat der Kreis Herzogtum Lauenburg eine
große Bedeutung. Nicht nur die besondere Detaildichte, die sie
im opulent und sensibel geschrieben Text unterbringt, ist spannend,
sondern auch das Gespür für die Gefühle von jungen
Frauen. Denn- die Heldin Elsa muß sich durchsetzen, erlebt Schicksalsschläge
und auch eine große Liebe, die zum Happy End führt.
Über
die Orte Roseburg, Büchen und Siebeneichen sagt Schlie im Nachwort:
„Die Ortsnamen haben einen so verzauberten Klang, dass ich der
Versuchung nicht widerstehen konnte, sie beizubehalten. Wer kann sich
solche Namen ausdenken?“
Eng arbeitete
sie mit Archivar Christian Lopau zusammen, der in Mölln und Ratzeburg
die Stadtarchive führt und der als Vorsitzender des Kreisheimatbund-
und Geschichtsvereins auch Fachmann für Familienschicksale ist.
Auch mit dem Ehepaar Wesendahl vom Haus der Stille in Roseburg, dem
ehemaligen Familiensitz, führte die Autorin Recherche-Gespräche.
Das Buch, im romantisch gefärbten Cover, ist mit einer historischen
Karte versehen, die zur Erinnerung der Eröffnung des Elbe-Lübeck-Kanal
am 16. Juni 1900 aufgelegt wurde und en Kreis Herzogtum Lauenburg
von Lübeck bis Hamburg zeigt.
Das Haus
des Großvaters ist heute das Haus der Stille. Es ist ein buddhistisches
Meditationszentrum – eines der ältesten in Deutschland.
Es besteht seit über 40 Jahren. Die besondere Lage des Hauses
der Stille – zwischen Teichen und alten Laubbäumen –
bildet eine Atmosphäre, die ein Verständnis für Einfachheit
und Frieden begünstigt.
Tania Schlie,
Elsas Erbe, Ullstein Verlag 2004, 480 Seiten, € 22,00.
Zur Person
Tania Schlie
(45), lebt in Glückstadt. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Sie hat ihre Kindheit in Stubben verbracht und das Kreisgymnasium
in Bremerhaven besucht, wo sie 1980 Abitur machte. Sie studierte Germanistik
und Politik in Hamburg und Paris, arbeitete dann acht Jahre lang als
Lektorin im Hamburger Hoffmann und Campe Verlag. Sie ist Autorin wissenschaftlicher
Arbeiten zur Exilforschung und Herausgeberin mehrerer Anthologien.
Ihr erster Roman Die Spur des Medaillons erschien im August 2001.
Brigitte
Gerkens-Harmann