Es war ein warmer Sommertag, als ich am Elbe-Lübeck-Kanal stand
und angelte.
Die Möwen schrien,
und die noch jungen Enten gründelten in Ufernähe.
Ich zog in aller Ruhe
meinen Blinker durch das Wasser und beobachtete wie ein Eisvogel,
gar nicht weit von mir, einen kleinen Fisch verspeiste.
Unser Haus liegt direkt
am Kanal und mein Vater saß in seinem Arbeitszimmer. Ich glaube,
er hatte schon genug von mir. Immer wenn ich einen Fisch fing und
sei er noch so klein, lief ich stolz zu ihm, unterbrach ihn bei
der Arbeit um den Fang zu präsentieren.
Ich warf den Blinker
wieder aus und überlegte, was wir heute wohl essen würden,
als es plötzlich wie wild an der Rute zerrte. Ich wurde völlig
aus meinen Gedanken gerissen. Mein Herz schlug schneller, kein Wunder,
hatte ich doch nie zuvor etwas mit dem Blinker gefangen. Ich schraubte
die Bremse der Rolle los, damit der Fisch erst einmal ziehen konnte.
Die Rute bog sich bis zum Anschlag und die Bremse schrie. Was ich
auch versuchte, ich bekam den Fisch nicht dichter ans Ufer. Doch
langsam wurde er schwächer und ich zog ihn über den Kescher
an Land.
Es war ein langer, silbern schimmernder, mir unbekannter Fisch.
Ich hob ihn aufs Land, entfernte den Haken, nahm Maß und staunte
nicht schlecht, als ich überrascht die Länge von 69cm
ablesen konnte.
Schnell erlegte ich den
Fisch und trug ihn nach oben auf unser Grundstück. Auf der
Terrasse legte ich ihn ab und rannte zu meinem Vater. Ich rief ihm
zu: „Papa, Papa ich habe einen riesigen Fisch gefangen!“
- Er kannte meine bisherigen Vorstellungen von riesig und folgte
mir mürrisch. Als er jedoch den Fisch sah, fiel er aus allen
Wolken. „Was ist das?“, fragte er verwundert. Solch
einen Fisch hatte selbst er noch nicht gesehen.
Einige Nachforschungen
ergaben, dass es sich um einen so genannten „Rapfen“
handelte, einen Räuber der direkt unter der Wasseroberfläche
jagt.
Somit war das Abendessen
gesichert. Mein Vater suchte sich einige Rezepte aus dem Internet.
Ein Rezept, bei dem der Fisch gegrillt wird, hat uns besonders gefallen.
Wir setzten uns mit unseren Nachbarn zusammen und bereiteten alles
auf das Festessen vor.
Der Fisch wurde eingelegt
und der Grill vorgeheizt.
Am Abend war es endlich
so weit. Ein lieblicher Duft nach Gewürzen und Holzkohle lag
in der Luft. Das Rezept hatte nicht zu viel versprochen es war ein
wirkliches Festessen.