Wöchentliche
Fahrradtouren. Berkenthin hin, zurück Richtung Siebeneichen,
und vorn, auf dem Hochsitz aus Bast, mein Hund. Rufname Bengi und
er wusste
um diesen Namen und um seine charakterlichen Vorzüge. Ein Shi
Tzu. Wenn der Fahrwind seine lang behaarten Ohren nach hinter warf,
und das Rauschen des Windes einen eigentümlichen Klang in meinen
Ohren hinterließ, dann hatte das für uns beiden alles etwas
von „Easy Rider“, totale Freiheit. Ich erzählte meinem
Hund von diesem Film und er lag später mit mir auf dem Sofa und
hörte mit zu. Der Film schien ihn nicht sonderlich beeindruckt
zu haben. Ein Hund guckt eben kein Fernsehen. Logisch. Seine großen
Kulleraugen warfen nicht einen Blick auf den Fernsehschirm. Er musste
den Film jedenfalls falsch verstanden haben, denn auf unseren Touren
ereigneten sich just nach dem Filmabend Vorfälle die ihn eher
mit Heinz Sielmann in Verbindung bringen sollten. Bengi zog es nun
vor, wenn er seinen gemütlichen Bastkorb verließ, um mich
auf allen Vieren zu begleiten, Kleintieren das Leben zu retten. Da
hatte meine private Beschäftigung mit dem Tierschutz bei ihm
also mehr Früchte getragen. Seit weit über 20 Jahren bin
ich Mitglied der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Bücher
und natürlich auch Tierdokumentationen sind wöchentlich,
ja fast täglich von Interesse. Mein Hund wandelte sodann auf
meinen Spuren und zwar als recht aktives Nichtmitglied. Nun wird sich
bestimmt jeder Fragen welche Tiere er rettete und vor wem und was?
Frösche, Blindschleichen, Schnecken, dicke Käfer, eben Lebewesen
die sich auf dem Fahrradweg am Kanal nicht rechtzeitig vor „tödlichen“
Rädern retten konnten. Bengi lief voraus und machte genau dann
halt wenn er ein solches Tierchen vor sich kriechen oder krabbeln
sah. Dann begann er wie wild zu kläffen und wartete auf mein
kommen. Angst zeigte er nicht. Ich schob oder trug die manchmal sehr
kleinen Mitbewohner unserer Erde ins Gras, ins Schilf. Bengi leckte
danach meine Hand.
Ich weiß nicht wie viel er in über zehn Jahren gerettet
hat, aber wenn ich heute am Kanal entlang fahre, überkommt mich
eine eigenartige Wehmut und wenn ich eine Schecke auf dem engen Fahrweg
sehe, dann mache ich halt und nehme sie von der Strecke. Seltsamerweise
hatte er dieses Verhalten nur am Kanal und nicht im Hellbachtal, unweit
von Mölln. An unserem Bootsteg, am Schulsee, rieche ich förmlich
die Nähe unseres Kanals und bedauere jedes Mal dass unsere Katzen
nie in den Genuss kommen werden an ihm herum zu streunen. Die Wasserstraße
ist für mich eine Seelenbahn in die Ferne, die ich so oft aufsuchte.
Ich genieß jeden Meter Fahrradweg am Kanal und er wirkt immer
wieder inspirierend. Pinsel oder Schreibstift, Bild und Gedicht, immer
wieder zeigt er ein anderes Gesicht. Als Kind plumpste ich hinein,
als Herzkranker halfen mir die Blicke zum Ziegelsee und ein kleiner
Bildausschnitt des Kanals, um über eine Krankheit hinweg zu kommen.
Heute leben wir am See mit direkter Verbindung zum Kanal und wenn
immer möglich paddeln wir hin und erleben die Welt des Ufers
vom Wasser aus. Einmal ertappte ich ein Liebespaar im Schilf, dachte
an Bengi und unterließ eine Rettung, denn die Zwei waren längst
nicht mehr zu „retten“.
Detlef
Romey