Der Elbe-Lübeck-Kanal
(ELK) ist die direkte Verbindung zwischen Lübeck, seinen Häfen
und dem Binnenwasserstraßensystem der Bundesrepublik Deutschland.
Über den Kanal sind alle wichtigen Wirtschafts- und Ballungsräume
Deutschlands, wie Hamburg, das Ruhrgebiet oder Berlin sowie andere
europäische Wasserstraßen mit dem Binnenschiff zu erreichen.
Neben dieser verkehrlichen Funktion hat der ELK auch eine Funktion
als Vorfluter, das heißt, er entwässert die Seen bei
Mölln nach Süden in die Elbe und nach Norden in die Trave.
Sichtbare Bauwerke dafür sind die Freiläufe an den Schleusen
sowie die Wehre in Büssau und in Lauenburg. Seine Nutzung für
touristische Zwecke, z.B für das Radwandern auf dem Betriebsweg
des Kanals ist ein positiver Nebeneffekt, der von den Menschen gerne
angenommen wird.
Eine kurze Beschreibung des Kanals
Mit einer Länge von knapp 61 km ist der ELK eine eher kurze Wasserstraße.
Er verbindet die Elbe bei Lauenburg mit der Trave kurz oberhalb von
Lübeck. Auf diesem Wege muss er den Endmoränengürtel
bei Mölln überwinden. Dafür wurden sieben Schleusen
gebaut; mit den Schleusen Lauenburg und Witzeeze steigt der Kanal
von der Elbe auf und mit der Donnerschleuse sowie den Schleusen Behlendorf,
Berkenthin, Krummesse und Büssau zur Trave ab. Die 30 km lange
Scheitelhaltung zwischen den Witzeeze und der Donnerschleuse steht
in direkter Verbindung mit der Seenkette bei Mölln, wodurch eine
kontinuierliche Speisung des Kanals mit Wasser möglich ist.
Geschichte der Wasserstraße
Die erste Wasserstraßenverbindung zwischen der Elbe und Lübeck,
die „Stecknitzfahrt, wurde bereits 1398 eingeweiht und diente
dem Transport von Salz von Lüneburg in den baltischen Raum. Sie
war in Betrieb bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Vergleich zu
heute waren die Schiffe die darauf fahren konnten, klein. Ihre Länge
betrug maximal ca. 23 m und sie konnten bis zu 37 t Ladung aufnehmen.
Der Tiefgang betrug meistens weniger als einen Meter. Zur Überwindung
der Höhen bei Mölln mussten damals 17 Schleusen gebaut werden.
Nur zwei von ihnen waren Kammerschleusen, die übrigen Stauschleusen.
Aufgrund
der begrenzten Abmessungen wurden im 19. Jahrhundert Forderungen nach
Errichtung einer modernen und ausreichend bemessenen Wasserstraße
erhoben. Diese führten Ende des 19. Jahrhundert zu konkreten
Planungen und schließlich zwischen 1895 und 1900 zum Bau des
heutigen Elbe-Lübeck-Kanals. Nach seiner Einweihung konnten deutlich
größere Schiffe, nämlich mit einer Länge von
bis zu 80 m und einer Ladungsmenge vom mehreren hundert Tonnen pro
Fahrzeug den Kanal befahren. Sieben Schleusen wurden gebaut, von denen
sechs noch in den ursprünglichen Abmessungen vorhanden sind.
Lediglich die Schleuse Lauenburg wurde inzwischen neu gebaut und ist
seit Mai 2006 im Betrieb. Die Durchfahrtshöhe unter der niedrigsten
Brücke beträgt zurzeit 4,40 m.
Nach
dem 2. Weltkrieg wurden im Zuge des Wiederaufbaus insbesondere von
Hamburg erhebliche Gütermengen transportiert. In den 60er Jahren
waren es etwa 2 Millionen Tonnen pro Jahr. Später nahmen die
Gütermengen aufgrund der Randlage während der deutschen
Teilung ab. Die Wiedervereinigung führte in den nachfolgenden
Jahren wieder zu einer Belebung der Wasserstraße.
Schrittweise Modernisierung des Kanals
Die Planer des ELK haben diesen großzügig und zukunftsorientiert
bemessen. Insbesondere die Schleusenabmessungen und die gewählten
Brückendurchfahrtshöhen erlaubten die Passage von für
die damalige Zeit großen Binnenschiffen. Dies hatte zur Folge,
dass im Laufe des 20. Jahrhunderts fast ausschließlich Erhaltungsmaßnahmen
durchgeführt wurden, der Kanal aber keine Vergrößerung
erfuhr. Erst in den 1990er Jahren wurde die Notwendigkeit der Anpassung
des ELK an die heutige Binnenschifffahrt deutlich. Hierzu wurden bereits
erste Maßnahmen durchgeführt. Die neue Schleuse Lauenburg
ermöglicht nun die Passage von bis zu 110 m langen Fahrzeugen,
die freilich im Moment nur bis zum nächsten Hafen in Lauenburg
fahren können. Der Neubau der übrigen sechs Schleusen ist
mittelfristig vorgesehen.
Sichtbarer Ausdruck der Modernisierung ist auch der Neubau von Brücken.
Zum einen sind einige Brücken fast so alt wie der Kanal selbst
und damit inzwischen baufällig. Ziel ist es außerdem, die
Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt unter den Brücken
auf einheitlich 5,25 m zu erhöhen. Dieses Maß entspricht
dem Normwert für Brücken über moderne Schifffahrtskanäle
im Binnenland. In den letzten Jahren wurden die Brücken in Kronsforde
(1998), Lankau (2005), Dalldorf (2007) und Krummesse (2008) neugebaut.
Weitere Brückenneubauten, so in Lanze-Buchholz, Basedow und Büssau
befinden sich in der Planung.
Schifffahrt
auf dem Kanal
Die genannten Maßnahmen dienen neben dem Erhalt der Wasserstraße
natürlich der Sicherung der Schifffahrt. Folgende Zahlen geben
Kunde über das Verkehrsaufkommen:
Im Jahre 2007 wurden an der Schleuse Lauenburg eine Million Tonnen
Ladung registriert, an der Schleuse Büssau waren es etwas über
fünfhunderttausend Tonnen. Hauptgüterarten waren Baustoffe,
landwirtschaftliche Produkte, Treibstoffe und Düngemittel. Etwas
über 2300 Güterschiffe befuhren den Kanal. Das bedeutet,
dass die durchschnittliche Lademenge eines beladenen Schiffes 962
to beträgt. Zum Vergleich: im Jahre 1965 wurden im Schnitt pro
Schiff nur 293 to Ladung transportiert.
In den letzten Jahren hat der Verkehr von Sportbooten stark zugenommen.
In 2007 passierten insgesamt über 6.000 Fahrzeuge den Kanal.
Der ELK ist in der Lage, mehr Schifffahrt aufzunehmen. Aufgrund der
Prognosen über die Güterverkehrsentwicklung insgesamt sowie
über die Entwicklung des Güterumschlags in den Seehäfen
von Hamburg und Lübeck in den nächsten Jahren ist davon
auszugehen, dass zukünftig mehr Güter auch auf dem Kanal
transportiert werden.
Weitere
Informationen über den ELK sowie über die anderen Wasserstraßen
im Zuständigkeitsbereich des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg
und mehr Details über den Neubau der Schleuse Lauenburg können
über die oben genannte Homepage eingesehen werden.
Dipl. Ing. Andreas Dohms