Es muß im Jahr
1951 gewesen sein.
Damals habe ich in Lauenburg in der Elbstraße bei Bäckermeister
Stallmann als Geselle gearbeitet. Es gab in der Zeit "Konsumbrot",
das heißt, es wurde eine landläufige Brotsorte vom Staat
subventioniert, um dem Verbraucher preisgünstiges Brot anzubieten.
Im Land Schleswig-Holstein betraf dies das normale Schwarzbrot,
in Hamburg war es Mischbrot und in Niedersachsen ebenso.
Mittwochs und Samstags war in Lauenburg Wochenmarkt. Dann waren
auch Brotverkäufer aus Niedersachsen auf dem Markt und hatten
Mischbrot, das einige Groschen billiger war als in Lauenburg üblich.
Daran hatten sich die Bäcker in Lauenburg zähneknirschend
gewöhnen müssen. Sie merkten es ja auch in ihrer Ladenkasse
an diesen beiden Markttagen.
Und nun wurde die neue
Brücke über die Elbe gebaut und die Niedersachsen-Bäcker,
die vorher mit der Fähre über die Elbe kamen und dafür
Zeit und auch Fährgeld aufwenden mußten, waren schneller
und billiger auf dem Wochen-Markt . Das merkten die Lauenburger
Bäcker sehr bald und auch schmerzhaft in der Kasse. Dann war
tatsächlich in unseren Läden tote Hose.
Unsere Bäcker waren
so böse, daß sie am liebsten alle Brotkutscher aus dem
Süden von der Brücke schmeißen würden, wenn
sie nur könnten.
Und so kam es, daß
unter den Kollegen ein Name für die schöne neue Brücke
geprägt wurde.
Sie hieß dann: " Die Konsumbrot-Brücke. "