"Düker,
Düker, die Welt jeht unter", riefen wir pommerschen Bengels,
Arme Schwingend, um Haubentaucher auf dem See zum Abtauchen zu veranlasen.
Spannende Augenblicke, wenn wir die Sekunden
zählten, bis der geflügelte Taucher wieder an der Oberfläche
erschien. Blitzte ein Fisch im Schnabel, vesuchten wir, Art und Größe
der Beute zu erkennen.
Und heute? Die Welt hat
sich zwar erheblich verändert, aber sie ist nicht "unterjejangen".Der
etwa kiloschwere Wasservogel mit hübscher Sommerhaube und rotbraunem
Backenbart reizt auch heute
noch zum Beobachten - noch immer mit spielerischem Hintergrund.
Da fliegt ein Seeadler
auf Nahrungssuche über eine Seenkette im Lauenburgischen, unmittelbar
an der früheren Grenze zur DDR. Der Haubentaucher lässt
sich nicht stören. Keine Spur von Aufregung,
obgleich er die drohende Silhouette wahrgenommen hat. Stockenten flüchten
flatternd in den Uferbewuchs. Als der Adler zum Tiefflug ansetzt,
geht unser Haubentaucher auf Tauchstation.
Er kommt nach 15 Sekunden (wir zählen noch immer wie früher
in Pommern) wieder an die Oberfläche.
Wie wenig ihn der Seeadler
beeindruckt hat, beweist die Tatsache, dass er seinen Flucht-Tauchgang
auch noch für die Jagd ausnutzte. Ein fingerlanges Rotauge zappelt
in seinem Schnabel.-
Während der Jungenaufzucht
zwischen Mai und Juli zeigen sich die Haubentaucher als fürsorgliche
Eltern. Beide brüten, beide füttern. Die Jungen sind Nestflüchter.
Die paddeln sofort, sind aber erst
nach 70 bis 80 Tagen flügge. Greifvogelgefahr von oben, und von
unten sind Hechte in der Lage, die Küken in die Tiefe zu ziehen.
Bei Gefahr lassen die Eltern
den Nachwuchs huckepack aufsitzen und nehmen Kurs auf den schützenden
Schilfrand, wo auch die schwimmenden Nester auf dem Wasser liegen.
Von einem bestimmten
Zeitpunkt an wird die Fischübergabe stark eingeschränkt.
Das heißt eindeutig: Nun fischt mal selber.
Ein Angler hat es sich
am Elbe-Lübeck-Kanal bequem gemacht. Noch hat kein Aal den Köder
angenommen. Wir haben auf dem See (mit Kanalverbindung) zwei Haubentaucher
im Blick. Donnerwetter!
Jeder Tauchgang, etwa zehn
Sekunden lang, ist von Erfolg gekrönt. Kleine Rotaugen als Beute?
Von wegen! Nach jedem Auftauchen haben die geflügelten Fischer
einen sechs bis acht Zentimeter langen
Jungaal im Schnabel.
Im Allgemeinen ist nur
jeder achte Tauchgang erfolgreich. Es müssen, in etwa vier Meter
Wassertiefe, massenhaft Jungaale über dem Seegrund schwimmen.
Ein Aalwunder? Nein, die Erklärung ist einfach.
Über 100 000 in Aalfarmen aufgezogene Aale sind, wie berichtet,
in die Elbe und Nebengewässer eingesetzt worden. Und davon holen
sich Haubentaucher, Reiher und Raubfische wie Zander und
Barsche ihren Anteil. Grund zur Besorgnis? Wenn die Hälfte der
eingesetzten Jungaale die Chance hat, in heimischen Gewässern
gut abzuwachsen, wird das von Fachleuten durchaus als Erfolg gewertet.
Angler und Fischer müssen
sich mit dem Fang des "Sonderbesatzes" ohnehin noch gut
fünf Jahre gedulden - erst dann sind die Aale "fangreif
für den Räucherofen".
Dem geduldigen Angler am
Kanal sagen wir nicht, dass knapp hundert Meter weiter zwei erfolgreiche
"Fischer" in einer Stunde über 20 Aale erbeutet haben.
Der Petrijünger würde sich an die Stirn tippen
und unsere Fangmeldung kopfschüttelnd als pures Angler-Latein
abtun.
Georg Peinemann
(mit Genehmigung des Autors aus dem "Hamburger
Abendblatt" vom 08.07.2008).