Klassenausflüge
finden ja meistens im Sommer statt. Ich kann mich aber an einen Ausflug
meiner Albinusschulklasse erinnern, der im Winter stattfand. In den
1940er- Jahren hatten wir sehr kalte Winter und unser Rektor genehmigte
eine winterliche Schulwanderung. Da auch der Elbe-Lübeck-Kanal
zugefroren war, entschieden wir uns zu einer Kanalwanderung.
Mit
den Lauenburger Eisbrechern war noch nicht zu rechnen, die lagen noch
im Harburger Hafen und warteten dort auf ihren Einsatz. Sie fuhren
auch erst los, wenn Aussicht auf Tauwetter bestand, da sonst die Eisschollen
nach dem Aufbruch gleich wieder zusammenfroren. Die Schifffahrt ruhte
sowieso und nachdem vom Wasser- und Schifffahrtsamt die Bestätigung
eingeholt worden war, dass wir die Eisdecke ohne Gefahr betreten konnten,
sie war mehr als 30 cm stark, ging es los.
Treffpunkt
war am anderen Morgen die Lauenburger Kanalbrücke. Es war tatsächlich
bitter kalt, aber herrlich klares Winterwetter. Ausgerüstet mit
Pudelmützen, Ohrenschützern, Schal und warmen Handschuhen
ging es rauf aufs Eis. Einige hatten Schlitten mitgebracht, andere
hatten sich Schlittschuhe untergeschnallt. Nach kurzer Zeit spürte
keiner die beißende Kälte mehr, man hatte sich warm gelaufen.
Das Eis war spiegelblank, was eine Seltenheit war, denn meistens fror
das Kanalwasser sehr uneben zu, und geschneit hatte es auch nur wenig.
Nur unter den Brücken war es etwas knubbeliger.
Unser Ziel
war der Lanzer See. Wir kamen zügig voran. Bald hatten wir unser
Sommerbadeparadies, die Basedower Brücke, passiert, und der See
lag vor uns. Andere Klassen hatten den gleichen Einfall, und so bekamen
wir Jungs schnell zwei Eishockey- Mannschaften zusammen. Als Puck
diente ein Stück Holz, und los ging die Knollzerei. Wer nicht
mitspielen konnte, übte mit den Mädchen Paarlaufen, vorwärts,
rückwärts, über Kreuz und mit Seitenwechsel. Die Schlittenfahrer
rüschten von der Böschung herunter auf das Eis, oder ließen
sich von den Schlittschuhläufern übers Eis ziehen. Alles
machte großen Spaß, bis die Lehrer zum Aufbruch mahnten,
denn bis zum normalen Schulschluss sollte die Lauenburger Kanalbrücke
wieder erreicht sein. Ich glaube, einige sind nachmittags mit dem
Fahrrad noch einmal zum Lanzer See hingetobt, so viel Spaß hatten
wir lange nicht!
Horst Eggert