Wanderer, kommst du von Krummesse über den Kanal, ersteigst
die Höhe, gehst auf der Landstraße weiter bis zum Ortsbeginn
von Bliestorf. In der ersten großen Linkskurve nach dem Ortsschild,
wendest du dich nach rechts in die Kastanienallee und folgst dieser
bis zum Gut Bliestorf. Dort nämlich hat die Zukunft schon begonnen....
Seit Oktober 2005 entwickeln
wir, ein kleiner Initiativkreis, zusammen mit einem Projekt¬entwickler
das „Zukunftsdorf“ auf dem Gelände des ehemaligen
Gutes Bliestorf. Aber eigentlich benötigten wir dafür
einen richtigen öffentlichkeitswirksamen Auftakt. Und das kam
so.
Für
den Trenthorster Herbstmarkt 2007 trafen sich die Aussteller dort
zu einem Vorbereitungs¬treffen. Reihum stellten sich die Teilnehmer
in einer großen Runde vor. Darunter war auch Herr Eisenbeiß
von der „Region Aktiv Lübecker Bucht“ (kurz RALB
genannt). Nach dem offiziellen Teil gehe ich mit Steak und Salat an
seinen Tisch und frage ihn: „Herr Eisenbeiß, sie verwalten
doch die EU – Gelder für die Region. Warum bekommen wir
kein Geld für unser Projekt ?“ Er antwortet: „Weil
ich keinen Antrag und kein Projekt von Ihnen habe.“ „Ok,
das können wir ja schnell ändern“, sage ich, „was
ist denn dafür nötig?“ Und so entwicklen wir zwischen
Kartoffel¬salat und Würstchen mal so eben ein förderfähiges
Projekt fürs Zukunftsdorf, -- nämlich für einen „Inforaum“
mit Ausstellung und Dokumentation, sowie Treffpunkt, Küche, Sanitäranlagen.
„Und wann müssen die Anträge bei Ihnen sein?“
„Am besten übermorgen! Unser Büro besteht nämlich
nur noch acht Wochen und wird dann aufgelöst.“ Oha, das
ist man bannig knapp. ---
Die Telefondrähte
glühen, die eMails flitzen. Ist das überhaupt zu schaffen
? Förderantrag, Bau¬antrag, Pläne, Kostenkalkulation,
Finanzierungsplan, Bankzusagen, --- das alles innerhalb weniger Tage!
Vier Wochen später auf dem Herbstmarkt: wen treffe ich ? Herrn
Eisenbeiß. „Warum gibt es denn immer noch keine Förderzusage?“
Es stellt sich heraus: da sind Nachrichten verloren gegangen. Schnell
werden die entscheidenden Leute zusammengebracht, um zu klären,
was noch offen ist.
Mitte Oktober,
RALB ist schon in Auflösung begriffen, spricht sich der Vorstand
von RALB buchstäblich auf seiner letzten Sitzung in einem wohlgesetzten
Schreiben für eine Förderung aus.
Fördersumme: 30.000€, auszugeben und abzurechnen bis 30.
November. Jedem ist klar: das ist gar nicht so zu schaffen. Was folgt,
ist eine logistische Meisterleistung des Architekten, der die Maßnahme
koordiniert; „Blindflug im Nebel“, nennt er das.
Ende Oktober ist eine erste Baubesprechung. Schüler von Haus
Arild machen die ersten vorbereitenden Maßnahmen. Es dauert
etwa zehn Tage, bis der Zimmermann die Balken stellt und die Schadhaften
austauscht. An den Wochenenden wird von einer kleinen Schar Unentwegter
gewerkelt. Der Einweihungstermin wird immer wieder verschoben.
Am 15. März
ist es dann soweit: zusammen mit ca. 80 geladenen Gästen aus
dem näheren Umkreis findet die Eröffnung statt, mit feierlichen
Worten der Initiativträger, mit Trommelmusik, gemein¬samem
Musizieren auf Hölzern und Steinen und dem „Lied auf die
Zukunft“.
J. Lentz