Basedow
- Drei Dinge- mindestens- sind an norddeutschen Sommerabenden immer
wieder schön: Zunächst natürlich das Vergnügen
einer Open-Air-Veranstaltung (ohne Regenjacke). Dann ein gutes und
nicht alltägliches Unterhaltungsprogramm (mit regional-typischen
Akzenten) und schließlich die Natur, die in Basedow ursprünglich
ist und ihren besonderen Reiz entfaltet durch den Elbe-Lübeck-Kanal
der hier seit Jahrzehnten den Lanzer See durchquert.
Am vorletzten Wochenende
des KulturSommers am Kanal fanden sich rund 60 Besucher ein, um mehr
über das Literatur-Portal www.Kanalgeschichten.de zu erfahren.
2007 wurde es erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Die „Portal-Väter“, Dr. Werner Konstantin von Hoerschelmann
und Carsten Lübbert aus Basedow, blätterten das Text- und
Foto-Angebot des Portals auf. Wie es sich schon im letzten Jahr bewährt
hatte, so wurden auf einer improvisierten Leinwand, die zwischen den
Bäumen gespannt war, die Internetseiten mittels eines Projektors
für alle sichtbar.
Hausherr Carsten Lübbert hieß in seinem großen Garten,
direkt vor dem wunderschönen Panorama-Blick am Elbe-Lübeck-Kanal
die Gäste, darunter auch Kulturmanager Hans-Jürgen Rumpf
und Basedows Bürgermeister Horst Ehing, willkommen. Eine kurzweilige
Einführung in die Anfänge des Portals übernahm Dr.
Werner von Hoerschelmann. Er erinnerte daran, dass sie dazu beitragen
wollten die einzigartige zwischenmenschliche Kultur am Elbe-Lübeck-Kanal
mit und für die „Kanalisten“ (so nennen sich die
Bewohner unmittelbar am Kanal, wie Lübbert zu erzählen wusste)
zu pflegen und zu fördern. Eine Homepage entstand und schnell
wurden Nachbarn und Mitbürger aktiviert, alltägliche Begebenheiten
aus der Umgebung aufzuschreiben und einem breiten Publikum vorzustellen.
Weitere Kanalanrainer brachten neue Autoren, die über die mittlerweile
vielbeschworene Lebensader Elbe-Lübeck-Kanal berichteten.
Die Zugriffe auf den Seiten von Kanalgeschichten.de stiegen stetig
an.
Aus der Gruppe der Autoren,
die nun mit viel Engagement mitmachen, hatten sich einige entschlossen,
den Gästen die Wasserstraße aus privater Sicht literarisch
näher zu bringen. Dabei gab es humorvolle kurze Texte, die die
ambitionierten Petri-Jünger Frederick, Nikolaus und Carsten Lübbert
vortrugen aber auch plattdüütsche Döntjes von Horst
Eggert aus Lauenburg und Lyrik von Angela Wilckens aus Dalldorf. Der
ehemalige Literatur-Stipendiat des Künstlerhauses in Lauenburg,
Autor Carsten Clook, las zwei feinsinnige Episoden aus seinen Büchern.
Mit mehreren Texten ist auch der Möllner Detlef Romey in den
Kanalgeschichten.de vertreten. In Basedow bot er ein beeindruckendes
Kontrastprogramm, welches Dr. Hoerschelmann spontan mit „Weltklasseformat“
adelte. Romey, der als Autor, Sänger und quirliger Entertainer
in Schleswig-Holstein bekannt ist, wagte sich in den Bereich der Kunstform
des Dadaismus (eine künstlerische und literarische Bewegung,
die um 1920 begann. Vom Dada gingen erhebliche Impulse auf die Kunst
der Moderne aus.) In Anlehnung an die „konkrete Poesie“
von einem der bekanntesten Lyriker mit „Dada-Hintergrund“,
Ernst Jandl, entwickelte Romey einen Text, der der experimentellen
Dichtung nahe kam. Diese Kunstform beinhaltet nicht nur das Verfassen,
sondern auch den Vortrag eigener Werke in besonders extrovertierter,
gern auch überschnittener Form. Sprachspiele, Wort-Assoziationen
und Lautmalereien beherrschte Romey grandios in seinem Text vom Lastkran,
der mit so irritierenden Begriffen wie „Lego, Lego“ begann.
Dank sprach Hausherr Lübbert
Kulturmanager Hans-Jürgen Rumpf aus, der die Idee zur Durchführung
dieser Veranstaltungs-Reihe hatte und ein Dankeschön ging auch
an das Amt Lütau und dem Wasser und Schifffahrtsamt Lauenburg,
die unbürokratisch Genehmigungen für diese Veranstaltung
erteilten sowie der Freiwilligen Feuerwehr Basedow und vier Musikern
des Gitarrenkreises aus Müssen unter Leitung von Gudrun Kleber,
die für den musikalischen Rahmen sorgten.
Brigitte Gerkens-Harmann